Kulturszene stellt Forderungen an Koalition

Wien. Die Kunst- und Kulturszene hat im Rahmen einer Pressekonferenz bekanntgegeben, welche Forderungen sie an das zukünftige Koalitionsprogramm stellen. Ihre Standpunkte wollen rund 75 Einrichtungen und Organisationen, die sich diesen Forderungen angeschlossen haben, in den anstehenden Verhandlungen vertreten wissen. Das Koalitionsprogramm der österreichischen Kunst- und Kultur-Interessensvertretungen enthält zwölf konkreten Forderungen.

Adaption der Kulturpolitik gefordert

Gerhard Ruiss von der Interessensgemeinschaft (IG) Autorinnen Autoren betont: „Es geht um eine Professionalisierung der Arbeitsbedingungen zwischen der Kunst- und Kulturszene und der Politik.“ Man wolle sich rechtzeitig in die Sondierungen einbringen und nicht erst mit einem fertigen Regierungsprogramm auseinandersetzen. Außerdem wird die Forderung nach einem eigenen Kunst- und Kulturministerium laut. „Sechs ministerielle Zuständigkeiten, das ist ein bisschen viel“, so Ruiss.

„Österreich ist ein Kultur-, ein Musikland“, stellt Harald Huber vom Österreichischen Musikrat fest. Seit 2014 gäbe im Bildungsministerium keinen Ansprechpartner. Die 200.000 SchülerInnen, die in Österreich in Musikschulen sind, scheinen in keiner Bildungsstatistik auf. Dass diese nicht als Bildungsleistung anerkannt werden, sei ein weiteres Defizit.

Die Frage nach der Bezahlung

Die EU-Richtlinie sowie internationale Verpflichtungen sollen ehestmöglich in nationales Recht umgesetzt werden. Die IG der Übersetzerinnen und Übersetzer, von Werner Richter am Podium vertreten, stimmt zu. In der Kritik an dem sogenannten „Upload-Filter“ seien andere vorliegende Verbesserungen untergegangen. Viele KünstlerInnen hätten diese Richtlinien auch mitgetragen. „Kunst kann ja nicht gratis sein, wir wollen alle von unserer Kunst leben“, sagt Richter. Die Forderung nach angemessener Vergütung und die Vertragsanpassung seien etwas, „was wir eh schon seit langem fordern“.

Die kommende Bundesregierung soll sich, wenn es nach Maria Anna Kollmann vom Dachverband Filmschaffende geht, auch der sozialen Lage von KünstlerInnen annehmen. Kollmann macht auf Altersarmut, akute Armutsgefährdung und Versicherungslücken aufmerksam. Und auch im Bereich der Arbeitslosenabsicherung gäbe es viel zu tun: „Das ist die Chance für die neue Regierung, hier etwas grundlegend zu verbessern.“ Künstler müssten wie Unternehmer agieren, unterstreicht Ulrike Kuner von der IG Freie Theaterarbeit. Diese hat im Jahr 250.000 Beratungen durchgeführt, auf rechtlicher und administrativer Ebene herrsche Unsicherheit.

“Dornröschenschlaf der Kulturpolitik”

Yvonne Gimpel von der IG Kultur Österreich sagt, Kulturförderung solle auch abseits vom „Kultur-Hotspot“ Wien geschehen. Ihrer Meinung nach gibt es seit Jahrzehnten riesige Baustellen: „Den Dornröschenschlaf der Kulturpolitik wollen wir wachküssen.“ Klare Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen seien notwendig. Über kurz oder lang sei dies auch nicht ohne Budgetaufstockung möglich, um Qualität und Quantität zu sichern.

Riess blickt abschließend auf die Makroebene: Sein Plädoyer umfasst die Sicherung der Medienfreiheit und -vielfalt, insbesondere die Unabhängigkeit des ORF bei der nächsten Reform. Die Medienförderungsreform solle auch auf die Realisierung des öffentlich-rechtlichen Bildungs- und Kulturauftrags und auf die Beachtung des nichtkommerziellen Mediensektors Wert legen.


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=G3IEdN93eYM

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